Dämliche Exklusivität (Teil 6)

Muss das sein? Vielleicht hat sich irgendwer einen Scherz erlaubt. Nur, eigentlich komisch ist das nicht. Schulenburg-Nord ist seit Anfang September namenlos. Das Ortsschild ist gestohlen, der metallene Träger liegt abgesäbelt im Dickicht neben der Straße.

Und da nützt alles nichts. So eine dämliche Tat offenbart, was sich sonst niemand so zu sagen traut: Schulenburg-Nord ist abgesiedelt. So heißt das behördlich-offiziell, wenn eine Stadtverwaltung keinen Finger mehr krumm macht, jedenfalls keinen mehr, als es die Sicherheit von Mann, Haus und Maus erfordert. Meine erste Frage im Rathaus, ob es denn nun noch ein neues Schild gibt für jene, die eben noch leben in diesem Dorf, erntet eine hilflos-lachende Gegenfrage: Können Sie nicht sagen, Sie hätten mich nicht erreicht? Ok, sie tun sich ehrlich schwer mit einer Antwort. Leicht fällt sie nicht. Aber sie kommt dann eben doch: Nein, es gibt kein Schild mehr. Unverhältnismäßig. Die Ausgabe. Nun denn.

Es war einmal …

Vielleicht ist das ja auch eine Art bizarre Gerechtigkeit. Denn nach Schulenburg-Nord wiesen viele Jahre lang – und sie tun es noch heute – Schilder aller Art. Im Gegensatz zur Ortsschwester im Süden. Obwohl Schulenburg-Süd viel größer war und ist. Genützt hat das dem Norden aber nicht viel. Sagen die Dorfbewohner. Wer Besuch aus der Ferne erwartete, rechnete insgeheim immer eine Viertelstunde Suchen-Verfahren-Finden obendrauf, bevor Kaffee und Kuchen auf dem Tisch standen.

Überhaupt genießt das Noch-Nord-Dorf eine kuriose Berühmtheit. Ein Dutzend Häuser nur und trotzdem ein heraufblitzender Landkarten-Eintrag auf den Navigationsbildschirmen hochpreisiger Fahrzeuge. Und bis zur Gebietsreform? Da hatte Schulenburg (zugegeben mit ein paar anderen Dörfern zusammen) die prominenteste Postleitzahl gleich nach der Landeshauptstadt: 3001. Weit vor Langenhagen und all den anderen von Prominenten bewohnten Dörfern im Norden Hannovers.

Aber das Ortsschild, das ist jetzt weg. Ein paar Mal ist der Name des Dorfes aber gleichwohl noch von Öffentlicher Hand aufgestellt zu lesen, abgesiedelt hin oder her. Zunächst am Beginn der Heidestraße sowie am Ortsende Engelbostels und schließlich mitten in der Feldmark, wenn man sich entscheiden muss, ob es einen zu den Kleingärtnern in den Westen an der Resser Straße zieht oder eben gen Osten Richtung Flughafen. Im Grunde hat Schulenburg-Nord ja auch schon seit einigen Monaten ein neues Ortsschild. Es sagt zwischen den Zeilen aus, was die Zukunft bringt: Privatstraße – steht da schwarz auf weiß geschrieben. Privatstraße, weil die Straße seit dem Sommer 2011 dem Flughafen gehört. Privatstraße, das klingt ja auch irgendwie exklusiv. So wie in den Jet-Set-Dörflein am Starnberger See.

Nur darf hier jeder hin.
Hat auch ‚was.

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