Eine Schaukel ohne Bürokratie (Teil 4)

Horst Krauses Paradies ist keines für jedermann. Horst Krauses – ja, nennen wir es ruhig – Garten Eden gehört dem Flughafen. Schon seit sehr vielen Jahren. Davor gehörte es einem Hühnerzüchter. Es ist ein Haus. Besser: Es ist ein Gebäude, das im Laufe der Jahrzehnte wahrscheinlich noch öfter gewachsen ist, als es seinen Nutzer wechselte. Wohnhaus, Grillhütte, Restaurant, Feriendomizil, Hühnerzucht.

Ein Vierteljahrhundert war dieses Gelände der Nabel des gesellschaftlichen Lebens – zumindest, wenn man unter Hannover Jägern und Schützen etwas gelten wollte. Denn Pächter war von 1975 bis 2007 der Niedersächsische Jagdklub. 1965 mitgegründet vom Gastronomen Fritz Harenberg, Inhaber des Hotels Aquarium auf der Hasenheide, später Betreiber der ersten Flughafen-Gastronomie. Das Gemäuer zum Idyll macht früher wie heute ein parkartiges Gelände, umschlungen von Wald, und eine inzwischen etwa drei Hektar große Wasserfläche nebenan, entstanden in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts: einst eine mit Regenwasser vollgelaufene Tonkuhle, heute bürokratisch offiziell ein nicht naturnahes Gewässer.

Auf Krauses Schaukel spielt Bürokratie keine Rolle.

Auf der Schaukel in Horst Krauses Garten ist der Blick gen Norden so idyllisch …

Es ist eine von diesen märchenhaften Schaukeln. An meterlangen Seilen, die irgendwo in luftigen Höhen in einem riesigen Baum verschwinden. Schaukeln, auf denen in kitschigen Filmen lange Gewänder rascheln. Wer auf der Schaukel sitzt, blickt nach Süden auf einen lauschigen, aber großen Garten eines grünen Häuschens. Umgeben von hohen Bäumen, dichten Büschen und unsagbar vielen Blumen. Der Blick nach Norden zeigt dem ökologisch ungeschulten Auge einen idyllischen See inmitten von Wald. Außenwelt ist auf diesem Grundstück nicht existent.

War sie.

Bis Juli 2012.

Seither rollen hier die Lastwagen. Mal Dutzende innerhalb von Tagen, mal tagelang keiner. In ihnen ist Erde. Unmengen von Erde. Und Horst Krause passt auf, dass ihre dicken Reifen nicht und auch die Radlader nicht oder die Bagger mehr kaputt machen, als sie dürfen. Wenn die Lastwagen fertig sind mit ihrer Mission, wenn also aus dem nicht naturnahen Gewässer ökologisch hochwertige kleine Feuchtbiotope geworden sind. Wenn auch die Container für die Arbeiter wieder weg sind und die in den Wald gestellten Stromaggregate und Tauchpumpen. Wenn also der Schaukelblick gen Norden dem ökologisch geschulten Auge keinen welligen Spiegel, sondern womöglich sogar Laichplätze für Laubfrösche zeigt, ist wohl auch die stille, einsame Zeit des grünen Häuschens abgelaufen. Dann braucht der Flughafen Horst Krause wohl noch als Torwächter. Aber was wird jenseits des Tores sein?

Krause kann es sich so recht nicht vorstellen. Aber vorher wegziehen? Kommt nicht in Frage. Nicht für Horst Krause.

Ein Kommentar

  1. Christine sagt:

    Der Blick von der Schaukel auf den See ist wirklich traumhaft und idyllisch und dort inmitten dieser tollen Natur würde wohl jeder gerne ein kleines Häuschen stehen haben. Aber warum der See als „nicht naturnahes Gewässer“ bezeichnet wird, man dort das Wasser abpumpt und stattdessen kleine Biotope errichtet werden sollen, erschließt sich mir nicht. Insbesondere weil diese Entscheidung tausende Fahrten mit Lastwagen zur Folge hat und man von ökologischen Biotopen wohl kaum noch sprechen kann.

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