Geschenktes Leben (70)

Einmal so richtig Platz haben. Für Texte. Für Bilder! Und: Zeit haben. Als Nachrichten-Durchlauferhitzer einer Tageszeitung eine traumhafte Vorstellung. Ich hatte die Zeit. Zweieinhalb Jahre für die Recherche. Knapp eineinhalb kamen hinzu, in denen dieser Blog wuchs. In jeder Woche, Schicht um Schicht. Hier im Netz, wo viel Platz ist und wo jeder zusehen kann. Auch jene Nord-Dörfler, die schon lange nicht mehr in dort wohnen und dem Ort in seinem Untergang doch verbunden geblieben sind. Das Dorf ist im Dezember 2013 – Geschichte. Weitgehend. Zwei, drei Häuser werden noch fallen. Frühestens im kommenden Jahr. Bis dahin klappe ich dieses Internet-Tagebuch zu. Zeit für einen Rückblick. Heute: Die Menschen.

Es ist ein Haufen auf meinem Schreibtisch. Ein Haufen Papier. Durchwalkt förmlich. Im besten Sinne abgeliebt. Blöcke. Ringbücher. Zettel. Manches wartet mit dem vor die Füße Fallen eben nicht darauf, bis der Block im Anschlag ist. Ein papiernes Sammelbecken für viel Herzblut. Ausgeschüttet von Menschen, die mir – der völlig Orts- und Menschen-Fremden – ihr Leben in Hand und Stift gelegt haben. Ihre Trauer. Auch Wut. Vor allem aber immer wieder ihre Liebe zu ihrem Zuhause. So stark. Da kann wahrscheinlich kommen, wer will.

Ein Haufen im besten Sinne abgeliebtes, geschenktes Leben. Danke dafür!

Ein Haufen im besten Sinne abgeliebtes, geschenktes Leben. Danke dafür!

Karl-Heinz Dahlke. Nummer 39. Mein erster Besuch im Dorf von – wer will, kann jetzt aus Kilometer-Abrechnungen und Foto-Ordnern auf der Festplatte irgendeine spannende Zahl hochrechnen. Nun, sagen wir: vielen. Dahlke soll mir bitte sein Dorf zeigen. Im Sommer 2011. Dass er zu diesem Zeitpunkt leidlich resigniert hat bei seiner Suche nach historischem Material, nach Zeitzeugen seines Dorflebens, und dass ich ihm daher im Grunde wie gerufen komme. Davon ahne ich nichts. Aber weil nach den ersten zwanzig gelaufenen Metern auch mir ziemlich klar ist, dass es eigentlich fast schon zu spät ist, mit der Dokumentation dieses verschwindenden Dörfchens zu beginnen, schließen wir ohne Worte einen Pakt. Wer ‚was weiß, wer etwas erfährt, erzählt’s seither dem anderen. Und meine heimische Festplatte wird schnell zum Sammelbecken aller jemals gescannten Fotos und Dokumente.

In diesem Sommer 2011 gibt es noch kein Auszugsdatum. Nicht für ihn und seine Familie. Kein Tauschgrundstück. Keinen Vertrag. Dahlke nennt sich den wohl letzten Mohikaner, der irgendwann das Licht ausmachen wird im Dorf. Eigentlich ist er ja der erste Mohikaner, der überhaupt davon erzählt, dass irgendwann irgendwer ein Licht wird ausmachen müssen da oben am Ende der Welt. Knapp zwanzig Jahre ist das her. Er hat seinerzeit auch eine Idee, wie das zu verhindern wäre. So recht aber hören sie nicht auf ihn. So recht ist Dahlkes Traum von der Solidarfront gegen den Flughafen auch – eben nur ein Traum. Gammelig-feuchte Keller, nach Sanierung knarzende Heizungsanlagen träumen nicht. Die verlangen nach Kostenvoranschlägen. Totschlagargumente.

Ein Bild aus dem Sommer 2012. Ein dem Dorf Vertrautes.

Ein Bild aus dem Sommer 2012. Ein dem Dorf Vertrautes. Das Haus mit der Nummer 39 steht längst nicht mehr. Karl-Heinz Dahlke schreitet jetzt durch Engelbostel.

Michael Hesse. Mitglied der Geschäftsleitung. Prokurist. Verantwortlich für alles, was gebaut wird – auf dem Flughafen. Oder gleich nebendran. Ohne ihn passiert in Schulenburg-Nord nichts. Mit ihm jede Menge. Auch wenn das, was passiert, vielleicht nicht im Sinne des Dorfes ist. Michael Hesse wird dieser Satz nicht gefallen. Der Zungenschlag wird ihm zu fies klingen. Er, der Bösewicht von nebenan. Das will er nicht sein. Und – die wenigsten im Noch-Dorf würden ihm diese Bezeichnung anhängen wollen. Nein, der Böse will er nicht sein. Wer ihm das nachsagt, erlebt schmal werdende Lippen im Sekundenbruchteil. Ein Vereisen der Stimme ohne wirklich nennenswerten Tonlagenwechsel. Redlichkeit in der Verhandlung. Offenes Visier. Alle Karten auf dem Tisch. Ein Handschlag, wichtiger als Tinte auf Papier. Das sind die Attribute, die der Zöllnerssohn Hesse, der gebürtigverwurzelte Hannoveraner, gerne bemüht. Und sich alle Mühe gibt, sie auch zu leben. Am Ende des Tages aber ist er leitender Angestellter eines im Auftrag der Anteilseigner am Flughafen gefälligst profitabel zu agierenden Unternehmens. Gehe nur in ein Rennen, wenn Du es auch gewinnen kannst. Im Grunde sagt dieses, sein Motto alles. Hesse wird im Rennen alles geben. Er wird unermüdlich Grundstücke suchen für ein neues Zuhause der Noch-Dörfler, vom Fliesenmuster bis zur Dachneigung Details verhandeln – und gewinnen am Ende. Das, ja vielleicht das könnte übel aufstoßen. Für das Dilemma, dass sich ein Zuhausegefühl nicht im Katalog ankreuzen und bestellen lässt, kann er aber wahrlich nichts.

Michael Hesse, Prokurist, Immobilien-Verantwortlicher des Flughafens.

Michael Hesse, Prokurist, Immobilien-Verantwortlicher des Flughafens.

Dietmar Grundey. Nummer 41. Hm, ein Schafstall soll es sein. So jedenfalls nennen sie es da oben. Das, was sich da zwischen Dahlkes Elternhaus und die Nordbahn geschoben hat. Als einziger Neubau der Neuzeit. Genehmigt im absoluten Siedlungsbeschränkungsgebiet, weil es offiziell kein Wohnhaus, sondern ein Stall ist. Mit Zimmern. Einem Saal. Zum Feiern. Na gut. Nicht sehr groß. Aber ausreichend. Für Vereine und Freunde und Familien und sonst alle, die ungestört fröhliche Stunden genießen wollen. Ob das nun die Schützen sind. Oder Konfirmationsrunden. Oder Radtouren der Arbeiterwohlfahrt. Wer gerne möchte, darf rein. Grundey ist kein eingeborener Nordler. In jenen Tagen, in denen er mit mir über die Feldwege zwischen den Bahnen rumpelt und mich beim Autofahren über die Besitz- und Pachtverhältnisse links und rechts vom Feldweg aufklärt, ist er Schulenburgs Ortsbürgermeister.

Er ist schlau. Landwirt halt. Und Politiker. Wie Dahlke. Der eine Christ-, der andere Sozialdemokrat. Da draußen spielt das keine Rolle. Wer welches Genehmigungsverfahren am besten durchbringt, das sind die Erfolge, die da draußen zählen. Wer Grundey nach seinen ersten Gesprächen mit Hesse fragt, erntet tiefes Lachen. Wenn zwei gewiefte Geschäftsleute aufeinandertreffen, da zählen beide nach dem Handschlag erstmal die Finger nach. Am Ende sind beide glücklich. Der Landwirt hat seinen Grund getauscht, zu seinem Kurs. Bodenrichtwert? Ein Wort, mit dem man Grundey wahrlich zum Lachen bringen kann. Und der Immobilienmanager kann einen Haken machen auf seiner Liste. Die Finger? Alle dran.

Dietmar Grundey vor seinem Schafstall. Seit Tagen räumt er Ladung über Ladung auf seine Gummiwagen, um sein Hab und Gut in die neuen Hallen jenseits der Nordbahn zu fahren.

Dietmar Grundey vor seinem Schafstall. Tagelang räumte er Ladung über Ladung auf seine Gummiwagen, um sein Hab und Gut in die neuen Hallen jenseits der Nordbahn zu fahren.

Horst Krause. Nummer 3. Das Schneewittchenhaus am NJK-Teich. Dröhnender Bass. Übergroßes Herz. Bei Licht betrachtet, trägt er sein Paradies zu Grabe. Trägt Sorge dafür, dass das tagtägliche Zuschütten seines gigantischen Gartenteichs störungsfrei vorangeht. Dass das Tor zu seinem Garten Eden im richtigen Moment offen, in allen anderen Momenten aber geschlossen ist. Wie das zu ertragen ist, bleibt mir in den meisten Stunden ein Rätsel. Aber vielleicht ist es auch ganz einfach. Man muss sich auf seiner kleinen überdachten Terrasse einfach mit Blick nach Süden hinsetzen. Mit Blick auf eine schmucke Siedlung – aus Vogelhäusern. Auf Blumenkübel. Auf einen bis kurz vor die Schmerzgrenze des Kitsches dekorierten Kleinteich. Dann rückt die Wiese im Norden in den Hintergrund. Verschwimmen die Erinnerungen an ungezählte Gartenfeste darauf mit dem Niedersächsischen Jagdklub. Als diesem noch das Areal gehörte. Als Krause noch in dessen Diensten das Refugium pflegte. Als der NJK noch sein Klub war. Das ist vorbei. Lange. Geheult hat darum wie ein Schlosshund. Geblieben ist das Häuschen. Und ein lebenslanges Wohnrecht. Etwas, das nur er hat in Schulenburg-Nord. Was würde mancher dafür geben. Vielleicht, nein bestimmt auch: die Bereitschaft, sein Paradies zu Grabe zu tragen.

Sein Garten Eden: Durch diesen Teil des Grundstückes fahren keine Erd-Transporter.

Der Garten Eden des Horst Krause: Durch diesen Teil des Grundstückes fahren keine Erd-Transporter.

Anna Kuss. Nummer 38. Die Tochter des Obstbauern Wilke. Jahrgang 1927. Ihr Elternhaus ist das erste, das verkauft worden ist. Es ist das Letzte vor der Nordbahn. Und mein erster Schrecken. Als ich im Juli 2011 zum ersten Mal vor Dahlkes Tür trete, ist vom Flughafen nichts zu sehen. Ein Dickicht, ein Urwald, hat einen alten Bauwagen umwuchert. Kein Durchkommen. Einfach so stehen lassen, von außen bestaunen. Als ich ein knappes halbes Jahr später wieder komme, ist der Urwald wegrasiert. Und als ich kurze Zeit später im Wohnzimmer der als Wilke geborenen Anni sitze und mir binnen weniger Minuten Block und Stift in den Schoß sinken, niedergedrückt von Schmerz und Wut. Da erscheinen die eigenen läppischen gut 40 Lebensjahre als geradezu schwerelos vorbeigeflogen. Verlust. Verbundenheit. Mit einem Schlag alles Fremdwörter. Komm da erstmal hin, mein Mädchen.

Und zehn Minuten später ist der Schmerz verflogen. Denn die Abenteuer der Anni Wilke, der später so glücklich verheirateten Anna an der Seite ihres Albert Kuss, die haben es in sich. Verbotene Fahrten mit des Gatten neuem Obsttransporter – mitten in den Misthaufen. Glückliche Überlandtouren zum Großmarkt nach Hamburg. Und die mit dem Schrubber in einer Schulenburger Küche unter viel Gelächter nachgespielte Karambolage einer Salatkarre. Der Verlust der geliebten Schwester im Krieg. Und die lebenslange Schuld: Warum sie, die junge Mutter? Warum nicht ich. Ein paar Wochen später stehen wir da, wo einst ihr Geburtshaus stand. Das Pferdekopfhaus neben des Ziegeleigeschäftsführers Villa. Von dort zog der Vater aus, das eigene Haus zu bauen. Oben an der Nordbahn. Auch dorthin fahren wir. Steigen aus, vergleichen die wenigen erhaltenen Bilder vom Hof mit den Bäumen von heute. Ein Abschluss. Tiefgehend in Demut.

... ist nicht nur ihr Lachen mehr als ansteckend.

Anna Kuss: Nicht nur ihr Lachen mehr als ansteckend.

Heidi, Gundula und Siegfried Fiene. Nummer 32. Natürlich will Dirk Stünkel mit mir sprechen. Das steht für ihn und seine Frau Steffi außer Frage. Aber eigentlich muss ich mit seiner Mutter sprechen und seiner Tante. Sagt er. Tue ich dann auch, wenig später in einer Neubauküche in Schulenburg. An jener Dorfstraße, über die man bequem in Minuten zu Fuß im Noch-Dorf landen würde. Läge nicht die Südbahn quer davor. Das erste Gespräch ist eigentlich eines ohne mich. Ich sitze an einem Tisch. Mit zwei sehr netten Damen. Die haben Myriaden an Fotos. Alten Fotos. Alle unbeschriftet. Das graut dem Fotografenherz. Macht aber nix. Denn die zwei Damen, Heidi und Gundula, benötigen nicht viel, um sich die Namen zuzuschießen wie Pingpongbälle. Macht auch nix, weil die zwei mich unterhaken. Mich mitnehmen in ihre Kindheit in Schulenburg-Nord, in ihr Seelenpein, als klar war, dass das Haus – inzwischen an den Enkel des Erbauers, an Gundulas Sohn Dirk, vererbt – nicht zu halten und des Flughafen Kaufangebot nicht zu überbieten ist. Erleichtern mich mit ihrem Pragmatismus. Sie haken mich unter, als ich im darauffolgenden Winter in einem Engelbosteler Wohnzimmer strande, verabredet eigentlich zu einem weiteren Interview, tatsächlich aber just im Auto vor der Tür überfallen von der Nachricht eines familiären Unglücksfalles. Haben ein Ohr für meinen Schrecken wie ich eines für den ihren. Vertrauen ist im Noch-Dorf schon lange keine Einbahnstraße mehr. Wir werden später gemeinsam Abschied nehmen von ihrem Haus unter einem Apfelbaum im Garten. Nur wenige Tage vor dem Abriss. Als ich an einem der Abrisstage wieder unter jenem Apfelbaum stehe, landet das lang erkämpfte und vom Teenagerherz in Nachkriegsjahren heiß ersehnte eigene Bad binnen Sekunden in staubigen Trümmern. Da bin ich ganz froh, alleine zu sein.

Die Treppe aus frühen Kindertagen gibt es am Hause Fiene nicht mehr. Gundula Blöhm (von links), ihre Schwester Heidi Mroschel und Bruder Siegfried Fiene haben aber auch auf der Bank im Garten ihren Spaß. Das Haus zur Bank wird drei Wochen nach diesem Foto im März 2012 abgerissen.

Gundula Blöhm (von links), ihre Schwester Heidi Mroschel und Bruder Siegfried Fiene haben auf der Bank im Garten ihren Spaß. Das Haus zur Bank wird drei Wochen nach diesem Foto im März 2012 abgerissen.

Erika und Dieter Hermann. Nummer 35/37. Bergleute. Zugezogen vor guten 40 Jahren, wieder weg vor bald zwei Jahren. Tief verletzt und bekümmert. Aber sie klagen nicht. Es ist mehr ein herzliches Trauern um die verlorene Nachbarschaft. Um die vergangene Gemeinschaft. Da spielt der eine oder andere grantelige Gedanke an Umzugsfolgekosten wohl eine, aber nicht übermächtige Rolle. Die Ruhrgas AG hat Dieter Hermann in die niedersächsische Tiefebene gelockt, den Bergmann, dem ein Unfall die Einfahrt unter Tage verbietet. Der von ihm betreute Untertagespeicher ist mit ihm in den Ruhestand gegangen. Aus dem Mietvertrag mit der Ruhrgas AG für die Wohnung im Vier-Mitarbeiterfamilien-Haus wurde ein Schriftstück mit Flughafen-Briefkopf. Viele fröhlich-ruhige Jahre, die ärgste Klage darin gilt den Rehen, die die Rosenknospen im Garten seiner Frau abknabbern. Aber wenn die ersten Nachbarn Schätzer ins Haus lassen und schließlich ihre Sachen packen und gehen, fühlt es sich an wie Verrat. Erika Hermanns Worte lassen an Klarheit nichts vermissen. Beschissen fühlt sie sich. Erste Worte in einem ersten Gespräch an einem Küchentisch. An Klarheit lassen auch Erikas Taten nichts missen. Seit dem Auszug hat sie keinen Schritt mehr ins Dorf gesetzt.

Ein sonniger Märztag 2012 am Küchentisch von Erika und Dieter Hermann. Sie wissen, sie müssen ausziehen. Nach 39 Jahren. Inzwischen haben sie Schulenburg-Nord verlassen.

Ein sonniger Märztag 2012 am Küchentisch von Erika und Dieter Hermann. Sie wissen, sie müssen ausziehen. Nach 39 Jahren. Inzwischen haben sie Schulenburg-Nord verlassen.

Doris und Günter Dörge. Nummer 30. Ihr Haus ist das erste, das vor meinen Augen fällt. Da liegen noch Monate vor mir, bis ich erstmals in ihrem Neubau sitze. In einem Neubau in einem Neubaugebiet. Im Grunde also das Gegenteil dessen, was sie verlassen haben. Die Grundstücke noch kahl, die Straßen noch eher ein Provisorium. Man guckt einander ins Fenster und ist doch Meilen von einander entfernt. Das sagt Günter Dörge. Der sich noch immer ein wenig grämt, dass er nicht 15 Jahre jünger ist. Dann hätte er kämpfen können. Er, der mit seiner Doris den Manager Hesse beim ersten Gespräch wortlos sitzen lässt. Weil ihm der Ton nicht passt. Nicht das zu spürende Gefälle zwischen den so ungleich großen Nachbarn. Dass sich die zwei letztlich doch einigen, hinterlässt Spuren. Auch bei Hesse. Wer ihn erzählen hört von den Jahren zwischen den Bahnen, wird dies erkennen. Voller Respekt. Hesse wird Doris Dörge eine Finanzministerin nennen. Eine, die in Gedichten den neuen Tower besingt. Die Ende der 1960-Jahre bei der Einkaufstour durch Hannover mal eben die Abriss-Sparren des hinfälligen Café Kröpcke kauft für den eigenen Wintergarten. Schuhe kann jeder.

Viele gesprochene Worte brauchen Doris und Günter Dörge nicht, um sich zu verstehen. Weder bei Beutestücken noch bei Vertragsverhandlungen.

Viele gesprochene Worte brauchen Doris und Günter Dörge nicht, um sich zu verstehen. Weder bei Beutestücken noch bei Vertragsverhandlungen.

Damaske/Dosdall/Schuldt. Nummer 22 und 38, Pferdekopfhaus. Diese drei Namen sind als Einheit zu betrachten. Es ist in diesen letzten Jahren des Dorfes wohl der härteste Kern an Verschworenheit, die dem Noch-Dorf geblieben ist. Familie Damaske in Haus Nummer 22, drei Generationen, die um jeden Preis – wenn sie denn schon ihre Heimat aufgeben müssen – an dieser Gemeinschaft festhalten wollen. (Wie es die drei Generationen im Hause Dahlke im übrigen auch beherzigen.) Bernd Schuldt und seine zwei Söhne als letzte Mieter oben in Haus Nummer 38. Und Bernd Dosdall, Kleinstkindkumpel des Herbert Damaske. Wer sich mit ihnen verabredet, bekommt meistens die volle Dröhnung: An Zusammensein, an Familiensinn – an Kaffee, Keks und Qualmerei. Warme Stunden, nix für nölige Weicheier, mehr etwas für barocke Frohnaturen. Wer sich nicht wehrt, wird adoptiert. Ich wehre mich gerne nicht. Sie haben lange gekämpft um den Verbleib in ihrer eigenen Welt zwischen den Bahnen. Und letztlich doch verkauft. Sehr zum Verdruss vor allem der mittleren Generation. Alissa und Danny Damaske, beide noch keine 30. Es ist eben keine Altersfrage, dieses Ringen um das Zuhause. Keine senile Altersangst vor einem nicht mehr Verwurzelnkönnen. Lange bevor ich das erste Mal Platz nehme an diesem großen Familienesstisch umwabern mich vor allem Gerüchte um das Haus an des Dorfes einziger Kreuzung. Über die Preisverhandlungssturheit. Als ginge es allein ums Geld. Geht es. Auch. Und auch vor allem. Aber eben nicht nur. Und wer Herbert Damaske einmal glühend erlebt hat, verfangen in den Erinnerungen an sein Urgroßelternhaus, begeistert blätternd durch sorgsamst aufbewahrte Todesanzeigen und alte Fotos längst vergangener Epochen und mit Stolz präsentierend ganze Bände ausgeschnittener Zeitungsartikel zum Sterben seines Dorfes, der darf sich gerne trauen, derlei Gerüchte noch einmal auszusprechen. Hier an diesem Tisch. Wäre ein spannendes Experiment und sicherlich kein langweiliger Abend.

Eine große Portion Dorfleben: Bernd Dosdall (von links), Wiro Ebermann, Alissa Damaske, Thomas Keiner, Dagmar Damaske, Betty Dörge, Maik, Andy und Bernd Schuldt sowie Herbert Damaske vor dem Haus Nummer 22 und dem letzten Baum aller Bäume.

Eine große Portion Dorfleben: Bernd Dosdall (von links), Wiro Ebermann, Alissa Damaske, Thomas Keiner, Dagmar Damaske, Betty Dörge, Maik, Andy und Bernd Schuldt sowie Herbert Damaske vor dem Haus Nummer 22 und dem vorletzten Baum aller Bäume im Dezember 2012.

Amelie und Till De Boer. Letzte Mieter der Villa. Sie haben mir den Schlaf geraubt. Im Oktober 2012. Dieses Internet-Tagebuch hat bereits seinen Platz auf einem Server. Zwei, drei, vier, fünf Menschen wissen darum. Im Verlag, in der Redaktion, in der Technik. Nicht eine Zeile ist darüber geschrieben, nicht ein öffentliches Wort darüber verloren. Und doch erreicht mich mitten in der Nacht eine e-Mail: Wir sind die letzten Mieter der Villa, haben den Blog entdeckt, finden wir gut, würden gerne erzählen, haben jede Menge Bilder, sind aber nur noch zwei Wochen im Lande. Uff. Zwei Wochen? Solange hätte es noch dauern sollen, bis zum offiziellen Werbe- und Berichtsstart über dieses Tagebuch. Da wäre ein Besuch kaum mehr möglich gewesen. Weg bedeutet in diesem Fall so echt und richtig total weg: Nach Indien soll es gehen. Mit dem Auto. Und weil die zwei diese Reise schon einmal gemacht haben, wissen auch sie, was Heimat bedeutet. Und deshalb läuft ein automatischer Suchbefehl im Internet nach allem, was Schulenburg-Nord betrifft. Dieser Algorithmus interessiert sich nicht für geschriebene Zeilen, den interessieren nur Schlüsselworte, egal auf welchem Server. Mein Glück. Es wird ein wirklich schöner Abend in einem kleinen Holzhaus an einem anderen Ende der Welt, mitten im Wald irgendwo weit hinter Walsrode. Sie waren in Indien inzwischen, sind wieder zurückgekommen, wohlbehalten, aber nicht kuriert von ihrem Fern-Heimat-Weh. Im Winter 2013/2014 weilen sie in Portugal – mit Suchbefehl im Netz.

Der Frosch ist verkauft, nun wird Familie de Boer den Winter am Strand im indischen Goa in ihrem Captain Blaubär verbringen. Das Bild ist entstanden in Hamwiede wenige Tage vor ihrer Abfahrt Ende September 2012. Foto: privat

Familie de Boer mitten im Wald weit hinter Walsrode vor dem Bus, der sie kurz darauf nach Indien und zurück bringen wird. Im Winter 2013 weilt die Familie in Portugal. Foto: privat

Walter Dosdall. Pferdekopfhaus. Bernd Dosdalls großer Bruder. Jahrgang 1937. Seine Eltern sind bereits seit knapp 40 Jahren Geschichte. Und doch bricht sich in unserem Gespräch Wut und Trauer Bahn, als lägen die Geschehnisse in jüngster Vergangenheit. Walter Dosdall klagt in seinem Haus in Schulenburg-Süd wenig über den Verlust der Heimat. Aus Schulenburg-Nord ist er schon lange weg. Ihn schmerzt vielmehr das Unrecht, das seiner Ansicht nach seinem Vater Hugo, dem Wirt der legendären Dosdall-Klause, widerfahren ist. Als er nicht ausbauen darf, dem Café keine Dachterrasse draufsetzen, dem Haus kein Spitzdach, also überhaupt nichts unternehmen darf auf dem Flecken an des Dorfes einziger Kreuzung, der doch über viele Jahre das eigentliche Zentrum dieser Welt dort ist. All die Kraftfahrer, die die Fuhrunternehmer von dort auf die Reise schicken, die Piloten, das Flugpersonal, all jene, die den Flughafen mit Wischlappen, Schneeräumgerät oder Kochlöffel unterstützen. Sie alle feiern im Café Dosdall. Da mag Klause draußen dranstehen. Für die Nord-Dörfler ist es von je her das Café. Das erste Eis. Der erste Farbfernseher. Und ausgerechnet Hugo Dosdall, dem Schöpfer dieses Refugiums, werfen sie Knüppel zwischen die Beine. Für den Sohn bis heute ein Unglück. Nicht zu heilen.

Walter Dosdalls Erinnerungen reichen weit zurück.

Walter Dosdalls Erinnerungen reichen weit zurück. Das Unrecht, das seinem Vater Hugo Dosdall widerfahren ist, bleibt ungeheilt.

Udo Püschel. Noch ein Mieter der Villa. Die Künstler-Villa. Heimat des Ziegelei-Geschäftsführers. Heimat eines Opernsängers. Einer autobastelfröhlichen Familie. Eines Kulturmanagers. Einer Studenten-WG. Ein umwerfendes Haus, das mit seinem Charme offenkundig jeden in seine Klinkerfassade zu locken vermag. Alle, die ich im Laufe der Jahre aufsuchen kann, klagen über denselben faulig-feuchten Moder im Keller. Über den gigantischen Sanierungsstau der Immobilie, die wie alle anderen Häuser dieser Splittersiedlung auf Tonboden steht. Der das Wasser, was von oben kommt, einfach stehen lässt. Jedes Eindringen verweigert. Aber wer den Keller im Keller lässt und die traumhaft geschwungen gemauerte Treppe emporschreitet (andere Gangarten verbieten sich da von selbst) und in die Unzahl von Räumlichkeiten tritt, der hat sowieso verloren. Püschel, der sich als Stadtplaner auch als Kulturmanager versteht, lockt nicht nur sich und seine Familie, sondern auch Heerscharen an Künstlern aus dem von ihm verwalteten GOP in der unweiten Landeshauptstadt nach draußen. Kaffee, Kuchen und knisternde alte Schinken von Zauberern vergessener Generationen werden genossen. Feine Feste in einer Halle, die ihre Tage als Futtermittelfabrik hinter sich gelassen hat. Gegen die Eulen unter dem Dach, vielmehr gegen ihre Stoffwechselprodukte, hilft ein aufgespannter Fallschirm über der Bühne. Künstler eben auch im wirklichen Leben.

Die Stabpuppen aus Indonesien hingen einst in Schulenburg-Nord. Mittelbar bescherten sie Udo Püschel einen Keller voll Apfelmus.

Die Stabpuppen aus Indonesien hingen einst in Schulenburg-Nord. Mittelbar bescherten sie Udo Püschel einen Keller voll Apfelmus.

Erna Sczesny und Gerda Spill. Nummer 36. Zwei Damen. Reizend möchte man sagen. Das trifft es – allerdings nicht ganz. Sie sind, als ich sie das erste Mal treffe, 90 und 87 Jahre. Jung möchte man sagen. Sie leben, jede für sich, alleine. Meistern Haushalt, Einkauf, Busfahrt – so schnell es die etwas steifen Knochen erlauben. Gänzlich gar nicht steif allerdings sind die tiefen Erinnerungen an ihre Zeit in Schulenburg-Nord. Und an die Zeit davor. Die gibt es. Sie war kurz und sie liegt unendlich weit zurück. Aber wer mit Ratten über und unter dem Bett, wer in wahrlich ärmlichen Verhältnissen hat leben müssen, wirft diese Bilder nie aus Herz und Hirn. Und als wäre dieser gelungene Aufbruch aus dem Elend hinaus und hoch Richtung Norden, auf den mühsam von Hand urbar gemachten Grund nicht Anstrengung genug, folgt ein Krieg mit einem geradezu irrsinnigen Nebeneinander von Katastrophe und normalem Leben. Kunstradfahren bis in die Landesliga auf dem einzig verbliebenen Sportgerät: aus den Resten der beim Bombenangriff ausgeglühten Räder zusammengeschraubt. Diese Bilder an hübsch gedeckter Tafel in einer kuscheligen Wohnung über Schulenburgs Hauptverkehrsader (zwei Treppen hoch, kein Lift), sie sind so dicht, so bunt und so nah. Garniert von einer wahren Bilderflut auf altem Karton. Unversehrt gerettet mit samt der Kamera aus jener Zeit. Da quält der Gedanke an das leichtfertig ramponierte Spielzeug im eigenen Kinderzimmer. Die zwei prüfen meine Nerven und vertrauen mir Bilder an aus jener Zeit. Ich wage mich damit kaum auf die Straße. Was, wenn ihnen ausgerechnet in meiner Obhut etwas passiert? Die Erleichterung eine Woche später, nach erfolgtem Scannen der Bilder und unfallfreier Rückkehr nach Schulenburg, ist groß. So groß wie die Freude, die Damen wohlgemut wiederzutreffen.

Vom Rad hinunter holte die zwei nicht der Krieg: Die Herren Ehemänner hatten etwas gegen öffentliche nackte Beine in Sporthosen. Mobil sind die Schwestern noch immer. Heute aber fahren Erna Sczesny (links) und Gerda Spill bevorzugt mit dem Bus.

Vom Rad hinunter holte die zwei nicht der Krieg: Die Herren Ehemänner hatten etwas gegen öffentliche nackte Beine in Sporthosen. Mobil sind die Schwestern noch immer. Heute aber fahren Erna Sczesny (links) und Gerda Spill bevorzugt mit dem Bus.

Erika und Wolfgang Pfeif. Nummer 6. Ein Fertighaus wird nicht fertig. Und der Ärger ist unermesslich. Wie mag es sein, sich von einem geliebten Heim, von eigener Hand geschaffen, verabschieden zu müssen, und es will sich so recht keine Vorfreude auf das neue einstellen? Was muss das für ein Grausen sein. Ein ums andere Mal sitzen wir zu dritt am verbliebenen Tisch einer bereits grob demontierten Küche, und die Liste der Pannen drüben im neuen Haus in Engelbostel wird immer länger. Als hätten sich alle verschworen. Als wolle nichts gelingen. Eigentlich würden sie jetzt am liebsten die Tür schließen, alle Verträge in jenem Kamin verbrennen, den sie im neuen Haus nicht mehr werden haben können. Moderne Heizungstechnik und ihre Tücken. Verbrennen und vergessen, welche Verträge sie unterschrieben haben. Der Groll richtet sich weniger gegen den Flughafen als gegen die Baufirma des Fertighauses. Unredliche Versprechen lösen sich in brutal eisiger Luft auf. Irgendwann im Laufe des Herbstes 2013 hat das Leid ein Ende. Als das geliebte Altheim im November abgerissen wird, bleiben sie der Szenerie fern. Man muss sich auch nicht alles antun.

Eine Hütte hinter einer alten Villa. Sie sieht aus, als wäre sie am Ende. Für Erika, damals geborene Much, aber ist sie der Anfang einer einzigartigen Zeit. Rechts im Hintergrund lugt das Pferdekopfhaus hervor. Foto: privat

Eine Hütte hinter einer alten Villa. Sie sieht aus, als wäre sie am Ende. Für Erika Pfeif, damals geborene Much, aber ist sie der Anfang einer einzigartigen Zeit. Rechts im Hintergrund lugt das Pferdekopfhaus hervor. Foto: privat

Michael Waldhelm. Nummer 20. Ihn habe ich eigentlich gar nicht auf dem Zettel. Weil es sein Haus schon so lange nicht mehr gibt. Mehr noch. Auf dem Grund des Hofes, den Ururgroßvater August Scheer einst gebaut hat, steht heute ein modernes Leuchtfeuer. 74 Meter hoch. Aber von seinem Großvater habe ich gehört: Menne Findeisen. Ein Freund der Feste und Funken. Die Flughafenfeuerwehr weiß ein Lied davon zu singen. Dass es SEIN Großvater ist, offenbart sich erst in einem Telefongespräch mit seiner Mutter. Bärbel Waldhausen, geborene Findeisen. Sie hat vom Blog gelesen. In der Zeitung. Er liest jetzt am Computer und lässt die Leserschaft an seiner Kinder-Sicht auf das Leben zwischen den Bahnen teilhaben in den Kommentaren des Blogs. Es dauert ein bisschen, bis wir einander finden in einem Kellerbüro in Braunschweig. Doch das Kinderleben zwischen den Kutschern der Brummis gewinnt neu an Fahrt. Man muss gar nicht in nostalgische Nachkriegstage abtauchen. Ein Rennacker mit einem ausrangierten Auto beheizen zu dürfen fern ab aller offiziellen Augen, das reizt zeitenlos.

Ein lebendiger Ritt durch die Familiengeschichte in einem nur oberflächlich tristen Büro in Braunschweig: Michael Waldhelm, seine Schwester Martina Eickhoff mit ihrer Mutter Bärbel, einer geborenen Findeisen.

Ein lebendiger Ritt durch die Familiengeschichte in einem nur oberflächlich tristen Büro in Braunschweig: Michael Waldhelm, seine Schwester Martina Eickhoff mit ihrer Mutter Bärbel, einer geborenen Findeisen.

Karl Heinz Kemna. Nochmal Nummer 20. Er ist auf dem Hof Findeisen geboren. Lange vor Michael Waldhelm. Kemna ist Jahrgang 1931. Und er hat, nachdem er und seine Frau Orla sich in ihrem neuen Zuhause im Harz in ihr Wohnmobil gesetzt haben und ins Nord-Dorf gefahren sind, mir Bilder mitgebracht. Neue Bilder im Kopf. Neuer Zungenschlag. Von Gewehrläufen im Anschlag, weil ein Junge seine Mütze nicht zieht. Von vergewaltigten Flüchtlingskindern. Aber auch von ambitionierten britischen Offizieren, die dem Übeltäter in eigenen Reihen letztlich den Prozess machen. Kontrastreiche Farbenlehre.

1931 wurde Karl Heinz Kemna in Schulenburg-Nord geboren, 1952 zog er weiter gen Norden nach Kananohe. Seit 2001 lebt er mit seiner Frau Orla im Harz.

1931 wurde Karl Heinz Kemna in Schulenburg-Nord geboren, 1952 zog er weiter gen Norden nach Kananohe. Seit 2001 lebt er mit seiner Frau Orla im Harz.

Edda Roggendorf. Nummer 26. Sie, die Schaperjahn-Tochter, hat den Hof der Fuhrunternehmer lange verlassen. Und ist doch die einzige, die über jenes Haus mit mir sprechen mag, für das im Dezember 2013 als einziges kein Kaufvertrag unterschrieben ist. Es hängt am Geld. Heißt es. Ob das ebensowenig stimmt wie die einstigen Gerüchte um das Nachbarhaus der Familie Damaske, wird mir bis auf weiteres verborgen bleiben. Aber Edda Roggendorf spricht. Gerne über ihre Heimat. Wo sie ihren heutigen Ehemann, ihren Hans-Joachim, auf den ersten Blick als den Zukünftigen erkannte. Auch wenn sich dieser seinerzeit nur im Bewerbungsgespräch mit Eddas Vater Heinrich wähnte.

Edda Schaperjahn, heute eine glücklich verheiratete Roggendorf, an der Seite ihres Hans-Joachim.

Edda Schaperjahn, heute eine glücklich verheiratete Roggendorf, an der Seite ihres Hans-Joachim.

Wilhelm Moorhoff. Jahrgang 1921. Kein Nord-Dörfler und doch mir jede Erwähnung wert. Der älteste gebürtige Engelbosteler ist der Erste, der einen Kommentar im Internet hinterlässt. Und der damit alle Experten-Thesen zur Zielgruppe digitaler Angebote recht heftig auf den Kopf stellt. Moorhoff hat nie in Schulenburg-Nord gelebt. Vielmehr hat er miterlebt, was dort oben geschehen ist. Als die Ziegeleien noch standen. Als die Pferdefuhrwerke mit eisenbeschlagenen Rädern über das Kopfsteinpflaster rumpelten. Schwer beladen mit den frisch gebrannten Ziegeln. Geräusche, die hallen bis in die Gegenwart.

Renate und Wilhelm Moorhof haben die rumpelnden Eisenbeschläge der Fuhrwerke noch im Ohr - und lieferen diesem Blog seinen ersten Kommentar.

Renate und Wilhelm Moorhof haben die rumpelnden Eisenbeschläge der Fuhrwerke noch im Ohr – und lieferten diesem Blog seinen ersten Kommentar.

Kai Riechers. Bagger-Pilot. Er steht stellvertretend für alle Abbruchunternehmer, die in den vergangenen Jahren durchs Dorf gewütet sind. Sein Familienbetrieb Döpke ist allerdings lang verwurzelt mit dem Nord-Dorf. Hat sein schweres Gerät ins Hotel Aquarium fahren lassen, damit die Nordbahn sich ausstrecken kann. Hat die Villa fallen lassen. Und auch das Café Kröpcke. Dass er die Balken daraus in Schulenburg-Nord im Hause Dörge ein zweites Mal aus ihrer Verankerung gerissen hat, vielleicht nicht er persönlich, wohl aber Gerät mit dem Familien-Signet, erfährt er von mir. Vor noch nicht langer Zeit. Kai Riechers ist ein Künstler an der Schaufel. Mit dem Herz am rechten Fleck. Normalerweise ist er derjenige, der die Schreckensbilder für die anderen kreiert. Schulenburg-Nord wird sein Meister. Als er eines Tages kommt, schreckt es ihn. Dass er seinen Bagger sehen kann. Schon von weitem. Weil alles andere weg ist.

Kai Riechers, Herr des Baggers und im Grunde ein fröhlicher Mensch.

Kai Riechers, Herr des Baggers und im Grunde ein fröhlicher Mensch.

Sie alle haben in den vergangenen Jahren ihr Leben in meine schreibenden Hände gelegt. Haben mir vertraut. Fotos und Dokumente anvertraut. Und zugetraut, damit respektvoll und angemessen umzugehen. Ich hoffe zutiefst, dem gerecht geworden zu sein. Vor allem aber sollen sie alle wissen, wie außergewöhnlich diese Zeitreise für mich war, unvergleichlich mit allem, was mir in mehr als 20 Jahren Berufsleben begegnet ist.

Genug der Worte. Es bleibt mir eines: Danke.

3 Kommentare

  1. Heidi Mroschel sagt:

    Liebe Frau Neander,
    ich kann mich dem Dank meiner Schwester Gundula nur anschließen. Ihre Kurzberichte von den ehemaligen Bewohnern von Schulenburg-Nord zu lesen, tut richtig gut.
    Nochmals vielen Dank.
    Heidi Mroschel geb. Fiene

    • Karl-Heinz Dahlke sagt:

      Hallo Gundula,
      hallo Heidi,
      liebe ehemalige Nachbarinnen un Nachbarn,

      ich plane ein Treffen aller ehemaligen Nachbarinnen und Nachbarn für den 5. April 2014. Vielleicht könnt ihr euch diesen Termin ja schon einmal im Kalender eintragen.

      Zunächst wünsche ich eine schöne Weihnachtszeit und einen angenehmen Jahreswechsel und alles Gute für 2014.

      Beste Grüße
      Karl-Heinz Dahlke

  2. Gundula Blöhm sagt:

    Liebe Frau Neander!
    Ein großes „Dankeschön“ an Sie für Ihre tollen Berichte und
    Bilder. Hoffentlich hören wir noch etwas, wenn dann wirklich alles im alten Dorf zu Ende ist.
    Oder es gibt doch noch ein kleines Heft (Büchlein) über
    das Schulenburg-Nord.
    Nochmals Danke!
    Gundula Blöhm ( Fiene )

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