Schlüsselwort ‘26’

Geschenktes Leben (70)

Einmal so richtig Platz haben. Für Texte. Für Bilder! Und: Zeit haben. Als Nachrichten-Durchlauferhitzer einer Tageszeitung eine traumhafte Vorstellung. Ich hatte die Zeit. Zweieinhalb Jahre für die Recherche. Knapp eineinhalb kamen hinzu, in denen dieser Blog wuchs. In jeder Woche, Schicht um Schicht. Hier im Netz, wo viel Platz ist und wo jeder zusehen kann. […]

Neumodischer Kram aus grauer Vorzeit (Teil 65)

Es sind nicht gerade sprudelnde Wirtschaftswunderzeiten, in denen sich Heinrich Schaperjahn entschließt, seinen Weg alleine zu wagen. Anfang der 30-er. Das sind die Jahre, aus denen die Kinder jener Tage im Nord-Dorf von Arbeitslosen erzählen, die des Sommers unweit der Tonkuhle ihr Zelt aufschlagen. Sie haben sonst nichts zu tun – und sonst nichts zum […]

Bombenprinzessin (Teil 64)

Da stehe ich nun. Nach einem zweijährigen Rundgang durchs Dorf. Stehe an des Dorfes einziger Kreuzung mit des Dorfes zwei einzigen bewohnten Häusern. Der Rest in Sicht ist schweigsamer Acker. Nummer 26 und 22 stehen noch. Zwei Häuser, deren Geschichte dicht miteinander verwoben ist. Und deren Schicksal womöglich gänzlich unterschiedlich sein wird. Das eine, die […]

Zwischen Puppenstube und Rennacker (Teil 62)

Wer zwischen Kutschern aufwächst, muss auf der Hut sein. Oder besser: mit allem rechnen. Mit einer davon fahrenden Puppenstube vielleicht. Oder mit spendablen Talentschmieden, die aus einer unschuldigen Wiese einen Rennacker für Großvaters Enkel machen. Natürlich nur, wenn Opa im Urlaub ist. In den 1960-er Jahren kommen auf dem Hof Findeisen vier Kinder zur Welt. […]

Rauchzeichen (Teil 61)

Es muss eine Welt gegeben haben, in der waren Autos wichtig. Also ernsthaft wichtig. Für wirklich wichtige Dinge. Nicht damit kleine Benjamins und Lisa-Maries pünktlich zum Frühchinesisch kommen. Sondern Möhren auf den Markt oder Kekse nach Königsberg. Im Wirtschafts-Neu-Sprech von heute heißt das: Flugaffine Unternehmen der Logistikbranche siedeln sich mit Roadhub oder Vertriebskreuz bevorzugt im […]

Von Gänsehaut und Gummilaufen (Teil 29)

Es ist egal, wen man fragt. Ob Alt oder Jung. Kind zu sein war und ist in Schulenburg-Nord offenbar unvergleichbar. Unvergleichbar frei. Und nass. Und dreckig. Und laut. Schön halt. Ich weiß nicht, wann sich Alissa Damaske und Gundula Blöhm zuletzt gesehen haben oder ob dies jemals stattgefunden hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass die zwei sich […]

Wer? Wo? Wieviel? (Teil 11)

Karl-Heinz Dahlke wollte Klarheit, besser: Er wollte keine offenen Fragen mehr, damit sich das Dorf beruhigen könnte. Denn rein rechtlich gibt es bis heute keine Zweifel: Eigentlich kann niemand Schulenburg-Nord zwingen zu verschwinden. Und so regte Dahlke 2008 ein zweites Treffen mit den Oberen des Flughafens an. Dahlke hatte nach den Jahren der Gerüchte und […]

Hier kommt kein Lärm von oben (Teil 3)

Ein Dorf muss also verschwinden, weil es nebenan zu laut wird für die Menschen. Ein Dorf, gelegen seit Jahrzehnten zwischen zwei Startbahnen? Das mag paradox klingen, stimmt aber. Um zu verstehen, was dort wirklich laut oder leise ist, braucht es einen Blick auf die Karte.  Schulenburg-Nord ist, wie eigentlich ganz Schulenburg, ein Straßendorf. Auch wenn […]

Ein Drahtbesen im Dorf (Teil 2)

Der erste Besuch in Schulenburg-Nord ist die Entdeckung eines Dörfchens, eingekuschelt in dichtes Grün. An den fünf Stellen, wo in den vergangenen 15 Jahren bereits Häuser abgerissen worden sind, hat die Natur das Kommando übernommen. Die Gärten der bewohnten Häuser sind adrett bepflanzt. Es blüht. Überall. Es ist kaum erkennbar, wo welches Grundstück endet. Und […]

Leben zwischen den Landebahnen (Teil 1)

Danny Damaske möchte hier niemals weg. Brigitte Dahlke ist einen Schritt weiter. Sie will hier nie wieder hin. Danny Damaske ist Jahrgang 1986. Er ist in diesem Dorf zwischen den Bahnen geboren. Er ist hier aufgewachsen, hat sich seine Zukunft aufgebaut. Der Hof der Eltern, einst Fuhrunternehmen der Großeltern, bietet ihm genügend Platz, um aus […]