Schlüsselwort ‘36’

Geschenktes Leben (70)

Einmal so richtig Platz haben. Für Texte. Für Bilder! Und: Zeit haben. Als Nachrichten-Durchlauferhitzer einer Tageszeitung eine traumhafte Vorstellung. Ich hatte die Zeit. Zweieinhalb Jahre für die Recherche. Knapp eineinhalb kamen hinzu, in denen dieser Blog wuchs. In jeder Woche, Schicht um Schicht. Hier im Netz, wo viel Platz ist und wo jeder zusehen kann. […]

Im Schutt zurück nach vorn (Teil 69)

Ok. Ich lag falsch. Der Sommer 2013 hat sich längst auf die andere Erdhalbkugel verzogen. Und ich liege, na, besser: stehe immer noch hier. In irgendeinem Acker mit verschlammten Schuhen und fotografiere Bruch. Das Dorf Schulenburg-Nord ist nicht, wie in der Blog-Einleitung einst prophezeit, verschwunden. Jedenfalls nicht ganz. Wenn in diesen Novemberschlusstagen auch die letzten […]

Freier Blick auf enge Straßen (Teil 63)

Nun ist er da, der Tag, an dem sich sogar Kai Riechers erschreckt. Weil er seinen Bagger sehen kann. Von weitem. Das sagt einer, der sonst eigentlich jener ist, verantwortlich für die unvermutet freien Blicke. Doch wenn die Gärtner anrücken, dann wird es selbst einem Abbruchunternehmer für ein paar Augenblicke mulmig. Sie haben ganze Arbeit […]

Tagesziel: Plattmachen (Teil 58)

Ist das so, wenn Krieg ist? Man steht im Keller und über dem eigenen Kopf donnern Einschläge. So mächtig, dass die Wände zittern. Dass sich die Bilder im Kopf überschlagen: Wo, bitte, geht es hier wieder raus? Mein Horror hat ein schnelles Ende. Mein Timing war nur schlecht. Ich stehe im Keller des Münkel’schen Hofs. […]

Warten aufs Christkind (Teil 57)

Ist das jetzt ein gutes Zeichen? Wenn wer nicht kommt, weil er zuviel zu tun hat? Ein gutes Zeichen, dass die drei Häuser oben an der Nordbahn noch immer stehen, obwohl sie nach Flughafen-Auftrags-Zeitrechnung eigentlich zumindest schon sichtbar ver-, besser: zerkleinert sein müssten? Egal. Fühlen wir uns also Anfang September wie im Dezember – und […]

Aufbrüche (Teil 54)

Zwei Jahre, einen Monat und einen Tag ist er her: mein erster Gang durch Schulenburg-Nord. Zwei Wochen fehlen noch, dann fehlt das Ziel meines ersten Besuches. Das stimmt nicht ganz. Auch wenn mit dem offiziellen Abbruch des Hauses Nummer 39 noch niemand begonnen hat, vollständig ist anders: das eine oder andere Fallrohr fehlt, ein Satz […]

Auf Spurensuche (Teil 48)

Ein Haus fehlt. Verschwunden ist es im Mai 2013. Zugeguckt haben diesmal nur die wenigen verbliebenen Nachbarn. Von jenen, die es einst bewohnt haben, ist schon länger nichts mehr zu sehen in dem Noch-Dorf zwischen den Bahnen. Der Versuch einer Spurensuche. Der Dorfeingang hat es schwer. Wer von Engelbostel über die Heidestraße am Krähenberg vorbei […]

Vom Weggehen und Wiederkommen (Teil 46)

Was tut man, wenn der Frieden kommt? Wenn die Ehemänner zurück sind aus der Gefangenschaft? Wenn Hochzeit gefeiert und nach jahrelanger Suche eine eigene Bleibe gefunden? Man verirrt sich in drei Zimmern. Doch denken zwei Töchter an ihren lang verstorbenen Vater, dann scheint ihnen in neun Jahrzehnten nichts so schlimm wie das, was noch kommt. […]

Flirt an der Flak (Teil 45)

Wie muss das wohl sein, das Leben – nach dem Krieg? Es ist die Rückeroberung der Normalität mit all ihren kuriosen Details: Die Qual duftenden Kuchens auf dem Gepäckträger, die Pein schwappenden Wassers beim Durchklettern von Gräben und die heimliche Freude an einem heimlichen Liebespaar am Grammophon. In einem Schulenburger Wohnzimmer gelingt manches wunderbar leicht. […]

Wenn nichts übrig ist, bleibt ein Rad (Teil 44)

Wie muss das wohl sein, wenn – Krieg ist? Wenn sich zunächst so gar nichts ändert an all den gewohnten alltäglichen Bahnen. Wenn zunächst nur Radio und Zeitungen voll sind von stolzgeschwelltem Brustton. Sich später Krankenhäuser füllen. Und schließlich Schuttberge wachsen. Wie hält man fest an seinem – Fahrradlenker? Mit einem Polo-Schläger in der Hand? […]