Schlüsselwort ‘39’

Geschenktes Leben (70)

Einmal so richtig Platz haben. Für Texte. Für Bilder! Und: Zeit haben. Als Nachrichten-Durchlauferhitzer einer Tageszeitung eine traumhafte Vorstellung. Ich hatte die Zeit. Zweieinhalb Jahre für die Recherche. Knapp eineinhalb kamen hinzu, in denen dieser Blog wuchs. In jeder Woche, Schicht um Schicht. Hier im Netz, wo viel Platz ist und wo jeder zusehen kann. […]

Im Schutt zurück nach vorn (Teil 69)

Ok. Ich lag falsch. Der Sommer 2013 hat sich längst auf die andere Erdhalbkugel verzogen. Und ich liege, na, besser: stehe immer noch hier. In irgendeinem Acker mit verschlammten Schuhen und fotografiere Bruch. Das Dorf Schulenburg-Nord ist nicht, wie in der Blog-Einleitung einst prophezeit, verschwunden. Jedenfalls nicht ganz. Wenn in diesen Novemberschlusstagen auch die letzten […]

Nicht leiden können gibt’s nicht (Teil 67)

Haus Nummer 22. Das ist nicht nur die Geschichte einer Fuhrmannsfamilie über eine gute Handvoll an Generationen. Es ist auch die Geschichte besonderer Freundschaft. Es ist die Geschichte des gütlichen Wegsehens, des in Ruhe Lassens mit Herzensbildung – vielleicht aber auch nur die Geschichte eines eher gemütlichen Dorfpolizisten, der es leid war, mit dem Rad […]

Freier Blick auf enge Straßen (Teil 63)

Nun ist er da, der Tag, an dem sich sogar Kai Riechers erschreckt. Weil er seinen Bagger sehen kann. Von weitem. Das sagt einer, der sonst eigentlich jener ist, verantwortlich für die unvermutet freien Blicke. Doch wenn die Gärtner anrücken, dann wird es selbst einem Abbruchunternehmer für ein paar Augenblicke mulmig. Sie haben ganze Arbeit […]

Spurensuche 2.0 (Teil 59)

Sie sind weg. Häuser. Schilder. Menschen. Einfach so. Das ist ein bisschen viel weg auf einmal. Manches ist weg wie nie da gewesen. Anderes, auch wenn es nur wenige Quadratzentimeter sind, fällt auf und wirft Fragen auf: Wer, bitte, hat in Engelbostels Mitte den letzten Wegweiser gen Schulenburg-Nord geklaut? Und wer jenen draußen in der […]

Tagesziel: Plattmachen (Teil 58)

Ist das so, wenn Krieg ist? Man steht im Keller und über dem eigenen Kopf donnern Einschläge. So mächtig, dass die Wände zittern. Dass sich die Bilder im Kopf überschlagen: Wo, bitte, geht es hier wieder raus? Mein Horror hat ein schnelles Ende. Mein Timing war nur schlecht. Ich stehe im Keller des Münkel’schen Hofs. […]

Warten aufs Christkind (Teil 57)

Ist das jetzt ein gutes Zeichen? Wenn wer nicht kommt, weil er zuviel zu tun hat? Ein gutes Zeichen, dass die drei Häuser oben an der Nordbahn noch immer stehen, obwohl sie nach Flughafen-Auftrags-Zeitrechnung eigentlich zumindest schon sichtbar ver-, besser: zerkleinert sein müssten? Egal. Fühlen wir uns also Anfang September wie im Dezember – und […]

Aufbrüche (Teil 54)

Zwei Jahre, einen Monat und einen Tag ist er her: mein erster Gang durch Schulenburg-Nord. Zwei Wochen fehlen noch, dann fehlt das Ziel meines ersten Besuches. Das stimmt nicht ganz. Auch wenn mit dem offiziellen Abbruch des Hauses Nummer 39 noch niemand begonnen hat, vollständig ist anders: das eine oder andere Fallrohr fehlt, ein Satz […]

Verschlungene Wege (Teil 53)

Wenn es einem gefällt – dort, wohin es einen verschlagen hat, dann könnte man ja auch bleiben. Dann könnte aus der Wohnung zur Miete ja vielleicht ein eigenes Häuschen werden. Nur ein Stückchen weiter die Straße hinauf. Ein ganz kleines Stückchen. In Sichtweite. Hilft aber nichts. Weg ist weg. Erst kommt der Zaun. Dann die […]

Kriegskinder (Teil 52)

Kindheit in Schulenburg-Nord ist – unbeschwert, frei, laut und dreckig. Schön halt. Es sei denn, es herrscht Krieg. Karl Heinz Kemna ist heimgekommen in sein Dorf, 82 Jahre nach seiner Geburt, zwölf Jahre nach seinem Wegzug. Das Wiedersehen berührt. Auch ihn. Es beginnt mit einer e-Mail. Karl-Heinz Dahlke hat sie mir geschickt. Er habe Post […]